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Rintelner Sommeruni 2012

28.07.2012 - 03.08.2012

Berufliche Gymnasien führen Informationsabend durch

08.02.2012
Die Beruflichen Gymnasien der BBS Rinteln veranstalten am Mittwoch, den 08.02.2012 um 18 Uhr einen Informationsabend. (Kreishandelslehranstalt in Rinteln, Dauestraße 4). Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Mit nur einem Arm frühstücken? Wirklich schwierig!

25.01.2012 - 25.01.2012
















Wie fühlt es sich eigentlich an, alt zu sein? Dieser Frage gingen gestern 23 Hauptschüler einer siebten Klasse der Hauptschule am Ostertor nach. Unter Anleitung angehender Pflegeassistenten der Berufsbildenden Schulen (BBS) versetzten sie sich einen Vormittag lang in die Lebenssituation alter Menschen und konnten dabei verschiedene Krankheitsbilder am eigenen Körper nachempfinden.
An der Lernstation "Schlaganfall und halbseitige Lähmung" wurde den Schülern beispielsweise ein Arm am Körper festgebunden. Ohne diesen benutzen zu können, sollten sie dann Frühstücken, Kartenspielen oder zeichnen. "Viele Senioren sind nach einem Schlaganfall in genau dieser Situation", erklärte ihnen die 19-jährige Sabrina Thamm, eine der angehenden Pflegeassistenten. "Oft können sie eine Körperhälfte nur noch eingeschränkt benutzen und müssen trotzdem ihren Alltag meistern." Den Schülern fiel dies jedoch sichtlich schwer. Beim Frühstücken kippte schon einmal ein Apfelsaft-Becher um und auch die angefertigten Zeichnungen waren nicht immer zu erkennen.
An einer anderen Station erlebten die Hauptschüler, wie es ist, schwerhörig zu sein. Zunächst spielten ihnen die Berufsfachschüler Geräusche in normaler Zimmerlautstärke vor, die sofort von allen erkannt wurden. Anschließend mussten sich die Schüler ihre Ohren mit Ohrenstöpseln verschließen und dann erneut einer Geräuschfolge lauschen, was sich schon um ein vielfaches schwieriger gestaltete. In einer dritten Stufe kamen dann zu den Ohrstöpseln noch Kopfhörer hinzu. Jetzt konnten die Schüler wirklich nachempfinden, wie es ist, wenn man im Alter nur noch schwer hören kann. Alle drei Geräusche erriet kaum einer von ihnen, oft ersetzte Raten das eigentliche Hören.
"Die Schüler sollen nachempfinden können, wie sich die Senioren fühlen", erklärt Imke Weihmann, betreuende Fachlehrerin an der Berufsschule. Drei Wochen lang hat sie gemeinsam mit ihrer Klasse das Projekt vorbereitet, das unter dem Motto "Schüler schulen Schüler" steht. "Erst hatten wir überlegt, ob ich die Schüler begleite und mit ihnen den Rollstuhl-Führerschein mache", sagt sie. Letztendlich habe sie sich jedoch dagegen entschieden – und ist heute froh darüber. Das Verhältnis zwischen den Schülern und den Auszubildenden sei offener als es zu ihr als Lehrerin wäre. "Da trauen sich die Schüler eher, eine Frage zu stellen."
Auch Sibylle Preuß, Klassenlehrerin der Klasse 7aG an der Schule am Ostertor, ist von dem Projekt, das zum ersten Mal durchgeführt wurde, sehr angetan. "Ziel ist es, den Schülern die Angst vor dem Umgang mit Senioren zu nehmen", erklärt sie. Da es heutzutage immer weniger Haushalte gebe, in denen noch drei Generationen unter einem Dach leben, sei der Umgang mit älteren Menschen längst nicht mehr selbstverständlich. "Viele Jugendliche sind regelrecht erschrocken, wenn sie zum ersten Mal mit pflegebedürftigen Senioren in Kontakt kommen", sagt sie. Durch das Projekt an der Berufsbildenden Schule sollen die Hauptschüler Selbstsicherheit gewinnen und gleichzeitig einen ersten Kontakt zu der Berufsschule knüpfen. "Einige hatten angesichts des großen Gebäudes schon ein paar Schmetterlinge im Bauch", sagt sie.
Das erlernte Wissen können die Hauptschüler schon bald anwenden. In Kürze beginnt das jährliche Projekt "umsonst und freiwillig", bei dem viele Schüler freiwillig 20 Sozialstunden ableisten. "Bisher hatten wir die Einsatzfelder dabei auf Babysitten oder Einkaufshilfe beschränkt", so Preuß. Unter anderem durch das "Schüler schulen Schüler"-Projekt soll zukünftig aber auch ein Einsatz in Senioreneinrichtungen denkbar sein.
Für BBS-Schulleiter Herbert Habenicht hat die Kooperation noch einen anderen Vorteil. "Wir öffnen unsere Schule durch solche Projekte ganz bewusst für Schüler der Zuliefererschulen", sagt er. So könnten erste Kontakte geknüpft und vielleicht sogar Berufsentscheidungen vorgezogen werden.
Für den zwölfjährigen Maximilian Langner hat der Projekttag noch eine ganz andere Auswirkung. Er glaubt, dass er sich durch die gesammelten Erfahrungen zukünftig leichter trauen wird, einem Menschen seine Hilfe anzubieten. Und damit erfüllt er genau das, was sich Berufsschülerin Sandra Rindfleisch als Fazit des Tages gewünscht hat: "Ihr solltet nicht wegschauen, sondern helfen", forderte sie eine Gruppe auf. "Es kann uns schließlich alle treffen."
Während ein Arm am Körper festgebunden ist, versuchen Niklas Eikermann (l.) und Julien Lindemeier ihr Frühstücksbrötchen zu schmieren. Für viele Menschen nach einem Schlaganfall Alltag.


Neue Kunden durch frisches Image

21.01.2012 - 21.01.2012
"Was hat die Generation heutiger Azubis mit Damenschuhen für die Generation 50plus zu tun?" Diese Frage stellte der 21-jährige Torsten Mues gestern zu Beginn seiner Präsentation und gab die Antwort gleich selbst: "Nicht viel." Und doch haben er und die anderen Auszubildenden der Oberstufe für Industriekaufleute an den Berufsbildenden Schulen sich in den vergangenen vier Monaten genau mit diesem Thema auseinandergesetzt.
Den Auftrag dazu erhielten sie von Kurt G. Herrmann, dem Geschäftsführer der meisi-Schuhfabrik in Deckbergen. Er hatte die Schüler nach einer Betriebsbesichtigung im September darum gebeten, im Rahmen des jährlichen Projekts Konzepte zu entwickeln, wie die Marke meisi, die zurzeit vor allem ältere Kundinnen erreicht, zukünftig auch für jüngere Frauen attraktiv werden kann. Die Ergebnisse, die die Schüler gestern in zwei Gruppen präsentierten, überraschten ihn. "Ihre Ideen machen mich sehr nachdenklich. Ich bin beeindruckt", sagte er anerkennend.

Beide Gruppen waren zu dem Entschluss gekommen, dass man "neue, junge und frische" Schuhmodelle, von denen sich auch jüngere Kundinnen angesprochen fühlen, nicht unter dem bisher verwendeten "meisi-Label" vermarkten sollte. "Der Firmenname wird mit hochwertigen und bequemen Schuhen für Damen eines höheren Alters verbunden und so soll es auch bleiben", erklärte das Gruppenmitglied Walter Neufeld. Für die jüngere Kundschaft sollte die Firma daher auf einen neuen Markennamen zurückgreifen.

Die Gruppe, in der sich unter anderem Mues und Neufeld engagiert hatten, präsentierte anschließend ihr neues Label "my-C". Dieser Name wirke durch die englische Sprache international und vermittle der Kundin durch das "my", dass die Schuhe eigens für sie hergestellt wurden, erklärte der ebenfalls zur Gruppe . Das "C" stehe für "Comfort", was durch den zugehörigen Slogan "comfort your life" noch verstärkt wird. "Es geht dabei nicht nur um mehr Komfort beim Laufen, es geht um ein komfortableres Lebensgefühl", so Neufeld. Seine Gruppe hatte außerdem ermittelt, dass ein Großteil der Zielgruppe durchaus bereit wäre, für wirklich bequeme Schuhe auch mehr Geld auszugeben, denn schon in der Zielgruppe litten nach Umfrageergebnissen bereits ein Viertel der Befragten unter Fußbeschwerden. Sie wären auch bereit, für bequeme und gesunde Schuhe mehr Geld auszugeben – wenn sie denn auch optisch ansprechend gestaltet sind. "Die Optik sieht die Kundin auf den ersten Blick, sie muss gefallen. Ob der Schuh wirklich gesund ist, spürt die Kundin aber vielleicht erst nach ein paar Wochen", gab abschließend der ebenfalls zur Gruppe gehörende Hannes Borchwardt zu Bedenken.
Zu diesem Schluss kam auch die zweite Gruppe, deren selbst entwickelter Markenname "BeMoDa" sich von dem Slogan "Bequeme modische Damenschuhe" ableitet. Wie die andere Gruppe auch wartete sie mit einem "durchgestylten" neuen Image auf, das aus einem Logo, einer Homepage, bebilderten Werbeanzeigen, Pressetexten und sogar kleinen Werbegeschenken wie Schuhanziehern bestand. Zusätzlich präsentierte die Gruppe den kompletten Entwurf eines neuen Messestands, Werbeanzeigen und sogar Entwürfe für eine neue, jüngere Kollektion.

"Sie haben mir vor Augen geführt, wie schnell man betriebsblind wird", sagte Geschäftsführer Herrmann abschließend, der ankündigte, sich die besten Ideen aus beiden Konzepten rauszupicken. Ihm selbst gebührte der Dank der Schüler und ihrer Lehrerin Sabine Struckmeier, die das Projekt bereits im achten Jahr in Folge betreut. "Es ist nicht leicht, Firmen zu finden, die für das Projekt zur Verfügung stehen. Vielen Dank dafür."



Snoezelen-Raum ist Projekt im Beruflichen Gymnasium

14.01.2012 - 14.01.2012
Neuer Fachraum wird individuell gestaltet / Raum soll von verschiedenen Klassen auch therapeutisch genutzt werden.

Im Rahmen eines Projekts des Beruflichen Gymnasiums an der Berufsbildenden Schule mit dem Schwerpunkt Gesundheitpflege, planten die Schülerinnen und ein Schüler der damaligen 12. Klasse unter der Leitung der Studienrätin Hildegard Ahmann die Einrichtung eines Snoezelen-Raums am Standort Burgfeldsweide. Snoezelen ist eine Kombination der holländischen Wörter "snuffelen" und "doezelen". Snuffelen bedeutet schnüffeln, schnuppern und doezelen wird mit dösen, schlummern, träumen übersetzt. Diese Begriffe wurden mit der Entstehung des Snoezelen geprägt und beschreiben vor allem die Wahrnehmung von Geruchsreizen und die entspannende Wirkung des Snoezelens. Umgesetzt haben es die Schülerinnen und der Schüler in ihrem Projekt in einem taktilen Bereich mit verschiedenen Materialien zum Tasten und Fühlen. Dem folgt eine Wassersäule mit Spiegel im Hintergrund zur optischen Vervielfältigung. Die Duftecke kann und wird je nach Jahreszeit mit neuen Düften versehen, immer mit dabei jedoch der Kaffeeduft zum Neutralisieren. Ein Projektor strahlt ruhige Punkte für positive Empfindungen an die Wände und eine Spiegelkugel hängt zur visuellen Wahrnehmung an der Decke. Besonders stolz sind die Schüler jedoch auf das Wasserbett, das Vibrationen durch Musik aber auch durch den eigenen Sprachgebrauch erzeugen kann. "Die Kante des Bettes ist aus einem festen Material, sodass sich die Schülerinnen mit ans Bett setzen und auf die darauf liegende Person reagieren können", so Hildegard Ahmann. Der neue Fachraum wird von verschiedene Klassen unter anderem aus den Fachbereichen Pflege und Sozialpädagogik genutzt und wird mit starker Sinnhaftigkeit und auch therapeutisch genutzt. So wird er jedes Jahr neu, aber immer reizarm, gestaltet. Individuell wird er den Bedürfnissen angepasst und projektorientiert werden dann behinderte Mitbürger oder Senioren eingeladen. Zur Einweihung wurde der neue Fachraum von Schülerinnen und Schüler des zweiten Ausbildungsjahres der Altenpflegeschule im Rahmen des Unterrichts zum Thema "Betreuung von Menschen mit Demenz" weihnachtlich gestaltet. Ein besonderer Dank der Schule geht an die Bürgerstiftung Rinteln, vertreten durch Peter Bekricht, und an Felix Tauscher von der Finna "AbbcoSchlasysteme GmbH", die es ermöglichten, den Snoezelen-Raum einzurichten.

Vom Waldweg aufs Wasserbett

20.12.2011 - 20.12.2011
"Wer will aufs Wasserbett und sich massieren lassen?" Berufsschulleiter Herbert Habenicht fragt bei der Vorstellung des neuen Snoezelen-Raums in der berufsbildenden Schule an der Dauestraße zunächst vergeblich. Dann traut sich Peter Bekricht von der Bürgerstiftung Schaumburg und kann mit Mikrofonhilfe sogar die Massageintensität variieren. Das Bett ist so breit, dass sich noch eine Pflegerin daneben legen könnte. Eine neue Pausenzone für gestresste Schüler und Lehrer? Nein.

Am beruflichen Gymnasium mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Pflege befasst man sich auch mit der Betreuung von Behinderten und Dementen. Snoezelen ist der Fachbegriff für ein neues Angebot zur Aktivierung der Sinne, er kommt von holländischen Wörtern für schnüffeln und dösen. In einer Ruhezone für die Nerven sollen die Sinne angeregt werden – durch Möglichkeiten zum Tasten, Riechen, Fühlen, Sehen, Schmecken und Hören. Die Schüler haben den Raum unter Leitung von Lehrerin Hildegard Ahmann eingerichtet.

Die Firma Abbco Schlafsysteme GmbH stellte das Wasserbett bereit, die Bürgerstiftung gab einen Zuschuss. Bekricht freute sich besonders, dass die Schüler so aktiv eingebunden sind und das Projekt nachhaltige Wirkung hat. Nach der Weihnachtsdekoration könnte Frühling das nächste Thema sein.

Rindenmulch in der Gehzone, Tannenzweige und Wattebäuschchen (Schneeersatz) als Waldboden und dahinter eine Weihnachtsmannpuppe und Festaccessoires: Berufsschüler zeigen Details aus dem von ihnen gestalteten Snoezelen-Raum.

BBS Rinteln holt den Wintercup 2011 zum zweiten Mal nach Rinteln

14.12.2011
Als unumstrittener Sieger des Wintercups 2011 konnte sich die BBS Rinteln unter 15 Berufsbildenden Schulen aus der Region Hannover durchsetzen und am 14.12.2011 zum zweiten Mal nach dem Erfolg 2008 den begehrten Pokal nach Rinteln holen.


Zu aller erst dankt Thomas Piepho im Namen der BBS Rinteln den Rintelner Unternehmen, riha Wesergold und Stücken sowie der Bückeburger Neschen AG, die der Bitte um Freistellung dreier Auszubildender für das Fußballturnier der Berufsbildenden Schulen der Region Hannover gerne nachgekommen sind. "Ohne diese drei Freigaben hätten wir das Turnier nicht gewinnen können", ist sich Thomas Piepho sicher und fügte hinzu "mit Jonas Abram hatten wir den mit Abstand stärksten Spieler des Turniers in unseren Reihen". "Auch dem FC Stadthagen danken wir, für die zur Verfügung gestellten Trikots" ergänzte er.


Wintercup 2011

hintere Reihe von Links (Tore in Klammern): Thomas Piepho, Timo Gaßmann (2), Vito Calinandro (4), Steffen Führing (2), Aaron Dell‘ Anna (2), Kastriot Rexhepi und Jesen Jwad
vordere Reihe von links: Jonas Abram (5), Domenik Sutmer (2), Lukas Schumacher und Samer Mahmo (4)



Schulpraktikum von Lehrern aus Kasachstan

30.11.2011
SZ vom 30.11.2011

Sie kommen aus Kasachstan, sind Lehrer und wollen von deutschen Berufsschulen lernen. Ein Förderprogramm der EU ermöglicht 20 Lehrern aus leitenden Positionen ein Praktikum in Niedersachsen – ausgewählt aus 1000 Bewerbern. Das auf lange Sicht erklärte Ziel: Die kasachische Berufsschulausbildung soll besser werden, damit sich langfristig auch die Wirtschaft in Kasachstan besser entwickelt. Drei Vertreter aus der Stadt Serebryansk im östlichen Kasachstan waren für vier Wochen zu Gast an den Rintelner Berufsbildenden Schulen (BBS), um Lehrern und Schülern mal über die Schulter zu schauen.

"Von besonderem Interesse für unseren Besuch aus Kasachstan ist das ,Duale System‘, also die gleichzeitig stattfindende Ausbildung in Schule und Beruf", sagt Henner Steuber (stellvertretender Leiter der Metallabteilung der BBS Rinteln), der gemeinsam mit Ullrich Grotewold (Metallabteilungsleiter) die Betreuung des Besuchs übernahm. Begleitet wurden Grotewold und Steuber sowie die kasachische Schulleitung, bestehend aus Nurbek Arystangaliev, Olga Antonenko und Saken Ildebayev, dabei stets von Viktor Duckardt aus Engern, der selbst lange Lehrer in Kasachstan war und nun dolmetschte.

Auf dem Lehrplan der Bildungsreise stand: Wie ist die Schule hier organisiert? Mit welchen Unterrichtsmethoden wird gearbeitet? Welche Medien wie Beamer in Rinteln oder Smartboards in Bückeburg – kommen zum Einsatz? Wie funktioniert das duale System, die Kooperation von Betrieben und Schule? Und zuguterletzt ging es natürlich auch um die soziologische Frage: Wie leben die Deutschen eigentlich?

Dabei wurden "gravierende Unterschiede" festgestellt, sagt Steuber. Angefangen beim Unterricht: In Kasachstan stünden die Schüler auf, wenn der Lehrer den Klassenraum betritt, alles sei etwas disziplinierter.

Dort werde Frontalunterricht gemacht, sprich: der Lehrer redet, die Schüler haben zuzuhören. Hier staunten die Lehrer aus dem östlichen Kasachstan ganz besonders darüber, wie intensiv die Schüler in die Unterrichtsgestaltung selbst eingebunden werden und selbstständig arbeiten.

Am Samstag reisen Arystangaliev, Antonenko und Ildebayev wieder ab. Zurück in Serebryansk wollen sie all das Gesehene auch konkret umsetzen, das Projekt sei groß angelegt. Der Staat habe die Mittel für Bildung bereits deutlich aufgestockt, auch die Gewerkschaften würden mit einbezogen. Das duale System solle auch in Serebryansk eingeführt werden, die Berufsschule allgemein aufgewertet werden.

"Derzeit hat sie einen eher schlechten Ruf", sagt Olga Antonenko. "Daher sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für die Schüler nach dem Abschluss nicht sehr gut." Jetzt aber sollen die Berufsschulen mehr Geld bekommen, die Lehrer besser bezahlt werden, merkt Schulleiter Nurbek Arystangaliev an.

Gottesdienst der besonderen Art

16.11.2011 - 16.11.2011


Schülerinnen und Schülern aus Rinteln feiern den Buß- und Bettag gemeinsam in der Kirche

RIN­TELN (s­te). Es war ein un­ge­wohn­tes Bild in der St. Ni­ko­lai-Kir­che, denn die Sitz­rei­hen saßen voll mit jun­gen Men­schen, die sich an­läss­lich des Buß- und Bet­ta­ges auf ei­ge­nen Wunsch statt in den Un­ter­richt in die Kir­che set­zen konn­ten. Dort hatte die Klasse FSS 22 der Be­rufs­bil­den­den Schu­len zu­sam­men mit Pas­tor Hel­mut Syske einen Got­tes­dienst der be­son­de­ren Art zu­sam­men­ge­stellt.

Frisch, jung, mo­dern, zeit­gemäße The­men und Spra­che kenn­zeich­ne­ten den Got­tes­dienst, zu dem alle Rin­tel­ner Schu­len um 11.55 Uhr ein­ge­la­den wa­ren. Doch während viele un­ter­schied­li­che Schul­for­men das An­ge­bot an­nah­men, glänzte das Rin­tel­ner Gym­na­sium zum Är­ger von Syska mit Ab­we­sen­heit. Was die Schü­ler ver­pass­ten, kön­nen sie zwar hier und jetzt nach­le­sen, doch "­li­ve" und un­ter der Ü­ber­schrift "­Gier Macht Krieg" wa­ren die Ak­tio­nen in der Kir­che noch um Län­gen bes­ser.

Fan­gen wir mit den Lie­dern an. Die hat­ten keine al­ten Zöpfe und eine schwie­rige Kir­chen­spra­che, son­dern ka­men ge­rade her­aus aus den vie­len Keh­len des zu­sam­men­ge­stell­ten Cho­res und der Kir­chen­ge­mein­de. Sie stell­ten sich - wie der ge­samte Got­tes­dienst - eben­falls un­ter das Thema des fried­vol­len Zu­sam­men­le­bens und der So­li­da­rität der Men­schen un­ter­ein­an­der.

­Kom­men wir zu den Bi­bel­tex­ten. Die wur­den un­ter an­de­rem aus der Volks­bi­bel von den Ju­gend­li­chen der FSS 22 vor­ge­tra­gen. Ihre bild­li­chen Ver­glei­che wa­ren leicht nach­voll­zieh­bar: "­Men­schen ha­ben viel ge­lernt, doch nicht ihre Zunge un­ter Kon­trolle zu hal­ten. Aus ei­nem Was­ser­hahn kommt doch auch nur rei­nes Trink­was­ser und kein Ab­was­ser. Das ist nicht Got­tes Wil­le", war eine der Bot­schaf­ten. The­men wie Um­welt­schutz, Atom­kraft, so­ziale Ge­rech­tig­keit, Wün­sche nach Frie­den, Ap­pelle ge­gen Krieg, Kampf um Roh­stoffe und al­les un­ter­malt mit mo­der­ner Mu­sik mach­ten die Ker­naus­sa­gen für alle leicht ver­ständ­lich.

Kom­men wir zur Pre­digt. Die hielt Su­per­in­ten­dent An­dreas Kühne-Gla­ser. Und auch er hielt sich an die Ma­xime ei­ner leicht ver­ständ­li­chen Spra­che mit The­men die­ser Zeit.

Spe­ku­la­tio­nen an den Ge­trei­de­bör­sen ver­ur­sach­ten Hun­ger und so­gar Krieg: "Und auch un­ter uns ist vor der Gier nie­mand ge­wapp­net" gab er den jun­gen Men­schen mit auf den Weg, die die Pro­bleme mög­li­cher­weise nur bei den Bör­sia­nern in Na­del­strei­fen sa­hen. Doch Gier, so Kühne-Gla­ser, sei - an­ders als Se­xua­lität - nie­mals zu be­frie­di­gen: "Da­bei geht die Seele den Bach her­un­ter!" Das Le­ben be­ginne nicht er­st, wenn eine fi­nan­zi­elle Ab­si­che­rung er­reicht sei: "Dann ist es manch­mal schon zu spät und die Li­zenz zum Le­ben wird ent­zo­gen!" Und die Mo­ral: "­Ver­wechsle nicht Be­sitz und Geld mit Le­ben!"

Kom­men wir zum Ge­bet. Auf mo­derne Art und Weise wird im Zwie­ge­spräch mit Gott das "Va­ter un­ser" ana­ly­siert, be­vor es nach dem Got­tes­dienst ins Freie ging, wo vier weiße Frie­den­stau­ben auf den Weg ge­schickt wur­den. Eine für den Va­ter, eine für den Sohn, eine für den Hei­li­gen Geist und eine für uns al­le!

Ü­b­ri­gens: Die drei jun­gen Män­ner, die sich mit re­spekt­lo­sen Zwi­schen­ru­fen Gehör ver­schaf­fen woll­ten, fan­den keine An­er­ken­nung bei der großen Gruppe der­je­ni­gen, die großen Ap­plaus für die her­vor­ra­gende Ge­stal­tung des Got­tes­diens­tes den Or­ga­ni­sa­to­ren zoll­te.

Fo­to: ste


Weniger Schüler - Kürzungen beim Angebot?

11.11.2011 - 11.11.2011
Bis zum 15. November muss Thomas Fiedler die neue Jahresstatistik für die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rinteln ans Kultusministerium in Hannover schicken. Lehrerausstattung, Klassen- und Schülerzahl müssen dann möglichst genau aufeinander passen, sonst drohen Einschnitte im Angebot. "Diesmal kriegen wir es noch hin", sagt der stellvertretende BBS-Leiter. "Aber es wird bei einigen Ausbildungsgängen immer knapper", ergänzt der BBS-Leiter Herbert Habenicht.

Die Risikofaktoren für die Breite des Angebots am BBS-Standort Rinteln und seinen zwei Außenstellen in Bückeburg sind vielfältig, erläuterten Habenicht und Fiedler jetzt im Gespräch mit unserer Zeitung. Da ist zunächst der demografische Trend – nicht zu ändern. Besonders im Nordkreis ist manchen Schülern der Weg zu ihrer Fachklasse in Rinteln zu weit, Busfahrten von mehr als einer Stunde drohen. Da ist man schneller in Wunstorf, Neustadt oder Hannover. Und Jugendliche haben nichts dagegen, bummeln durchaus gern nach der Schule noch durch die Landeshauptstadt. Dort haben Ausbilder mitunter noch gute Beziehungen zur Uni Hannover, was attraktiv sein kann. Die beiden Berufsschulen in Rinteln und Stadthagen machen sich dagegen so gut wie keine Konkurrenz.

Hinzu kommen die immer höheren Anforderungen in einigen Berufen, die zu einer Abbrecherquote in der Probezeit allein beim Handwerk von zehn bis elf Prozent führt, ergänzt Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schaumburg. Diese Schüler fehlen dann den entsprechenden Berufsschulklassen. Da zu den Handwerksinnungen aus alten Grafschafter Zeiten meist noch Firmen in Hessisch Oldendorf gehören, schicken diese ihre Azubis heute an die BBS in Hameln.

"Wir wissen ganz genau, wer aus Schaumburg in Nachbarkreisen zur BBS geht, das müssen uns die Ausbilder melden", erklärt Habenicht. "Wenn es das Angebot in Schaumburg nicht gibt, müssen wir die Leistung der anderen BBS bezahlen. Haben wir das Fach auch, trägt der Ausbildungsbetrieb die Mehrkosten." Zulauf aus Nachbarkreisen hat die BBS Rinteln dagegen nur aus dem Extertal – aber in ganz geringer Zahl.

"Ab 14 Schüler gibt es eine Klasse und eine Lehrerausstattung mit Stunden", rechnet Fiedler vor. "Wollen wir auch mit weniger Schülern eine Klasse bilden, müssen wir die sich zunächst halbierende und bei unter sieben Schülern wegfallende Stundenausstattung an anderer Stelle kompensieren. Dies geht am besten durch große Klassen mit gleicher Lehrerausstattung oder ab 32 Schüler sogar mit doppelter. Da kann es also ein kleines Plus geben." Gelingt dies nicht, müssen Schüler in ein anderes Bildungsangebot oder an eine andere BBS wechseln. Fachlehrer könnten abwandern. Die Schnittstellen sind bei der Planung neuer Klassen am Schuljahresende und die Statistik zum 15. November. Habenicht: "Jeder Schüler, der für die BBS Rinteln wegfällt, nimmt uns auch etwas vom Budget."

Was kann man also tun? Zunächst einmal vor auswärtigen Nachteilen warnen. Habenicht zählt auf: weitere Wege, Fahrtkosten für Betriebe, Anonymität an großen Schulen wie in Hannover, geringerer Kontakt der BBS zum Betrieb und eventuell parallele Berufsschultage im Betrieb, später drohende Abwanderung von Azubis.

Eigene Vorteile zählt Habenicht auch auf: Die Bildungslandschaft in Schaumburg bleibt erhalten. Optimale Betreuung der Schüler. Keine Paralleltage. Breites Angebot möglich. Azubis bleiben anschließend der Region als Fachkräfte erhalten. Hinzu komme, so Habenicht, eine enge Verknüpfung mit den Betrieben, intensivere Förderung auch der Persönlichkeiten der Azubis, gute Ausstattung der Schulgebäude, ausreichende Lern- und Lehrmittel.

Pape erwähnt eine weitere, bereits bestehende Attraktivitätssteigerung im Angebot: "Da im Elektrohandwerk die Anforderungen stark gestiegen sind, wurde an der BBS Rinteln eine Fachschulklasse eingerichtet. Also erst ein Jahr auf Schulbank samt Praktika, dann weiß man über seine Eignung besser Bescheid. Die Abbrecherquote sinkt. Im Betrieb bekommt man das Jahr meist auf die Gesamtausbildungszeit angerechnet. Immer mehr Jugendliche wollen nicht gleich nach der Schule in einen Betrieb. So haben sie ein Jahr mehr Zeit."

Pape bestätigt, dass es in Rinteln und Stadthagen schwieriger wird, die nötigen Klassenstärken zu erreichen. Berufe wie im Fleischer- und Bäckerhandwerk, Tischler, im Metall- und Elektrobereich seien heute weniger gefragt als früher.

"Aber wenn wir einen Ausbildungsgang einmal abgeschafft haben, bekommen wir ihn auch kaum wieder", gibt Fiedler zu bedenken. Zurzeit hat die BBS Rinteln in der Weserstadt und Bückeburg rund 1650 Schüler. "Seit zwei bis drei Jahren halten wir dieses Niveau, und das gilt auch noch für das nächste Schuljahr", erklärt Habenicht. "Aber danach werden es in kaum acht Jahren gut 30 Prozent weniger. Dann wird es eng bei einigen Berufen."

Die BBS Rinteln verliert derzeit rund 60 Schüler in Vollzeitausbildungsgängen an Nachbarkreise, im Dualen System der Berufsausbildung sind es 40. Eine Prognose hierzu für 2012 gibt es noch nicht. Aber den Appell der BBS: "Schickt uns alle Azubis!" Diesen Appell unterstützt auch Martin Wrede, Leiter der IHK-Geschäftsstelle in Stadthagen. Für kaufmännische Berufe sieht er im Moment allerdings noch keine größere Gefahr, Klassen nicht mehr bilden zu können.

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